"Eine Operette in mehreren Aktenpaketen"

Jürgen Maria Kaiser - aufgewachsen in einem 222 Einwohner zählendem Dorf im Rhein-Lahn-Kreis, wollte irgendwann die verkrusteten Strukturen der Jugendfeuerwehr und einer angedachten Lehre zur Bankkauffrau durchbrechen. 

"Ich werde ein grosser Star"

Er begann mit seinem älteren Bruder, diverse Chromdioxid-Kassetten mit seinen Stimmbruch artigen Sänger-Qualitäten zu beschichten.  Das erste Live-Konzert fand unter zur Hilfenahme von Dash-Waschtrommeln und selbst geschnitzten Gitarren aus Kastanienholz im heimischen Garten statt.

Der Durchbruch kam erst später, als echte Instrumente von echten Menschen bedient wurden, welche behaupteten, sie würde diese auch beherrschen. Die Musikkapelle "Jürgen Pornelli & seine Spanner" ward geboren.

Die Aula des heimischen Gymnasiums (siehe Ausschnitt unten aus der Lahn-Zeitung 1986)  und die Mehrzweckhallen der Nachbardörfer wurden sein neues Zuhause.

Klick gleich größer

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Schlüpfer und Büstenhalter wurden ihm persönlich überreicht, welches ihr neues Zuhause im Bettkasten des hier genannten Hauptdarstellers fanden.

Noch heute liebkost er diese Errungenschaften, wenn er Frau Mama besucht, ihr bei der Gartenarbeit behilflich ist, und streicht sich über sein imaginär langes, lockiges Haar.

Auch eine bunte Kulturveranstaltung mit mehreren Musikformationen ("Pornelli-Festival" - Teilnehmer-Fototermin 1987 VOR dem großen Feuer - siehe oben) initiierte er über mehrere Jahre auf dem Kirmesplatz seines Heimatdorfes, welches 1987 jäh sein Ende fand.

Just in dem Moment, als die Hauptband (na klar, Jürgen Pornelli & seine Spanner) die Bühnenbretter betrat, das Intro Ihres Skandal-Hits "Conny - Sie war erst 12" ausklang, machte sich ohrenbetäubender Lärm in den Ohren aller Zeitzeugen breit. Nein, es war nicht eine der üblichen Rückkopplungen vom Mikro des Sängers. als eine Horde der lokalen Rocker-Gang mit ungewaschenen Bärten, nach Urin duftenden Lederwesten, ohne Helm und ohne Gurt, auf röhrenden Zweirad-Maschinen den Platz stürmten. Das Festival musste abgebrochen werden - Die Männer mit den heißen Öfen zündeten Biertische und -bänke an, leerten in einem atemberaubenden Tempo alle Gerstensaft-Vorräte (Nassauer Pils) und forderten vehement Nachschub.

Alle Gäste waren verängstigt ob der Gewaltbereitschaft der öligen, alten Männer. Niemand erhob das Wort und forderte Respekt und Toleranz.

"Sie wissen schon, es ist Hochsommer, der Kirmesplatz hier befindet sich in einem Wald, da ist ein Lagerfeuer nicht angebracht." "Das Bier hier, das kostet Geld. Eine Mark zwanzig bitte, pro Flasche. Eine Mark zwanzig."

Auch der Veranstalter, Jürgen Maria Kaiser, blieb stumm. Duckmäuserich gab er Ihnen sogar seine heiß geliebte Flasche Amaretto aus seinem Geheimversteck. Anstatt Ihren Durst damit zu löschen, spuckten die Wilden den italienischen Likör angewidert aus und bezichtigten den jungen, harmoniesüchtigen Jürgen der Homosexualität.

Dieser rannte verzweifelt davon. Keiner seiner Freunde folgte ihm. Allein, verlassen, kniend hinter einem Klowagen,  trockneten langsam seine bitteren Tränen, als er die Sirene vernahm.

Die Dorffeuerwehr rückte zum ersten Mal seit 1945 aus, zehn Bier-Garnituren waren nur noch Schutt und Asche - innerhalb kürzester Zeit versammelte sich die halbe Dorfgemeinschaft mitten in der Nacht rund um die Feuerstelle. Die Dorfältesten nannten das Verhalten von Jürgen M. verantwortungslos. Die immer durstigen Feuerwehrleute beschuldigten den Heranwachsenden, nicht auf die Getränkevorräte aufgepasst zu haben. Sein Vater, Adalbert Kaiser, sei der Aufsichtspflicht nicht nachgekommen, so schwadronierte es der Ortsbürgermeister im Nachthemd an Ort und Stelle.

Der Sachschaden betrug 270,00 DM, Personen wurden keine verletzt. Aber die Frage darf in den Raum geworfen werden:  Wer denkt hier an das Seelenheil?

 Die ersten Regress-Forderungen wurden gestellt - es sollten, zurückblickend gesehen, nicht die letzten sein.

Jürgen Maria Kaiser wurde unehrenhaft aus der Jugendfeuerwehr entlassen.

Das große Feuer hinterließ ein zwölfjähriges (Musikanten-)Traumata im Leben des Jürgen Maria K. Nur die Angst vorm Zahnarzt sollte länger andauern.

 

 

"Endlich 18 !"

 

 

Sein System hat keine Grenzen

Nach Hochschulreifung und Zivildienst im Altenheim befreite sich Jürgen Maria Kaiser aus den Fesseln des Heimatdorf-Daseins und siedelte um nach Mainz, Gevatter Rhein.

Um die ganze Welt zu entdecken, studierte er dort sieben Jahre die Geheimnisse der Geographie (Kenner sprechen hier auch von "Erdkäse"). Die Erkenntnisse seiner wissenschaftlichen Studien sind noch heute in seinem Songtext zu "Vulkan" nachzulesen.

Auch sein Haarwuchs passte sich dem studentischen Umfeld an und erste Drogenexperimente ließen nicht lange auf sich warten. Noch heute nippt er an der ein oder anderen Filterzigarette.Das Elternhaus betrachtete die Veränderungen mit Argwohn ("Lange Haare behindern das Denken.").

 

 

Botticelli Phase

 

 

Kreative Schübe verarbeitete er in die Schriftstellerei ("Die Kaiserbande"), sündigen Theater-Auftritten ("Des Kaisers neue Kleider") und einem Ausflug in die Hochkultur (Mitwirkender als Eunuchen-Statist bei der Mozart-Oper "Die Entführung aus dem Serail", natürlich ohne Gesangsrolle). Sein Mikrofon verstaubte derweil im Kulturbeutel, während der Mikroständer als Fernsehantenne zweckentfremdet wurde. 

Irgendwann, während des Studiums und der anderen brotlosen Künste, besann sich Herr Kaiser den altklugen Worten seines zu früh verstorbenen Herrn Papa:

"Jürgen Maria - Verdiene Geld!"

Der Wissenschaft zu Diensten gestellt und sieben Teilzeitstellen als Medikamenten-Tester (Beta-Blocker, Antidepressiva) später, verfiel er, gesundheitlich nun angeschlagen, dem Manchester-Kapitalismus: Ein kleines Rädchen im großen Zermahl-Betrieb, Leistung pro Zeiteinheit, Versagen wird bestraft - Jeder ist ersetzbar.

Die Folgen waren für die Außenwelt unübersehbar: Der ohnehin schon blasse Teint würde gekürt durch den Ausfall der güldenen Haarpracht, Fingernägel zerbarsten ohne Vorwarnung, Hautirritationen, unkontrollierte Gewichtszunahme - das Kinn verdoppelte sich.

Stolpernde Versuche zurück ins Musiker-Dasein, zB. in einer Stooges - Coverband verliefen wenig erfolgsversprechend: "Jürgen Ma, Du kannst doch keine Iggy-Pop-Songs auf Deutsch singen". Mit seinem Aussehen war er außerdem weit davon entfernt, diesem verlebten Rockstar ein Gesicht zu geben.

 In den Mühlen der Arbeitswelt

In den Mühlen der Arbeitswelt

Das Ende schien nah - Lebensabschnittsgefährtinnen suchten das Weite, der Suff war das einzige Hohelied seines Daseins.

 

Die Rockoper -  der große Akt mit dem Arschfaltenquintett

Es passierte an einem verregneten Herbsttag im Jahre 2000. Es treffen drei willenlose Instrumente der Marktwirtschaft in einem Dienstleistungsbetrieb aufeinander. Der Eine bringt sich selbst die Schlagzeugerei bei (Spalt), der Andere frönt der Wiedergabe von Garagenrock-Liedern der wilden Sechziger mit seiner Stromgitarre (Ritz), und mittendrin Jürgen Maria Kaiser (Schaft), ein Verehrer des Ein-Oktaven-Gesangs.

Die Summe der einzelnen Teile: Das A r s c h f a l t e n q u i n t e t t .

 

AFQ-Franco

 

Als Trio mit sechs Fäusten und einer fünf Lieder umfassenden Marschroute bzw. Playlist im Kopf, stürmten "die Falten" (O-Ton: Ein Fan) das erste Mal die Bühne, die ihre Welt bedeuten sollte. 

Es war ein sehr kalter Winter, damals 2000, in einer Bar unter strenger russischer Herrschaft, mitten drin, am Puls der Zeit in der Mainzer Neustadt - es wurde noch in D-Mark bezahlt.

Zwei Töne bzw. zwei Lieder später stellte die Polizei den Strom ab, ob des für die Nachbarn unerquicklichen Lärms. Ein Glücksfall für Jürgen Maria Kaiser: Er konnte sich noch nie gut Texte merken.

Dieser Euphorie geschuldet, wurden zwei weitere Musikanten ins Reich der Faltenmitte eingeführt: Pete Steis, ein Anhänger der spanaischen Saiten-Spielart und Käft, ein bis dahin unbeschriebenes Blatt, am Bass. 

Käft – Arschfaltenquintett, Haus Mainusch 2003

Pete Steis – Flamenco-Tänzer 

Der (fingierte) Gewinn eines Bandwettbewerbs in Rheinhessen steigerte das Selbstbewusstsein der Band in ungeahnte Höhen. Dabei suchte der Veranstalter (Stefan Z) einfach nur Anschluss und Anerkennung bei der Kapelle, indem er selbst die Auszählung der Wahl vornahm, und den Sieg vom Arschfaltenquintett voreilig proklamierte, während die Stimmzettel des Publikums noch eingesammelt wurden. Sein Vorhaben ging auf: Bei der Siegerehrung wurde er zum ersten Manager der Band verpflichtet.

Der ehrliche Ritz verließ daraufhin die Band kopfschüttelnd, wurde sofort von einem neuen, erfolgsverwöhnten Gitarristen ersetzt: Harry "catch the" Fox.

 

Hunger nach Erfolg: Harry Fox

 

Die zukünftige Erfolgsformel wurde mantraartig in die Hirne aller Beteiligten eingeplant : Glück, Geld und dabei Gut aussehen.

Käft und JM Kaiser (formerly known as Schaft) waren sehr schnell eng miteinander verwoben in Wort, Ton, Zeit und Raum. Die Fachpresse unkte später mit Lennon / McCartney-Vergleichen.Die übrige Journaille war sich nie gewiss: Ist das nun PunkRock, PowerPop und einfach Faltenrock? Oder doch nur pure Provokation?

Auf der Suche nach dem perfekten Sound und der besten Show folgte der Größenwahn: 

Käft, der vorher Unscheinbare, nahm die musikalischen Zügel in die Hand, wechselte die Schlagzeuger unterhosenhaft nach Lust und Laune aus. So wurde Spalt ("löst die Band auf") kurzerhand vor die Tür gesetzt, weil er den überhöhten Erwartungen des Trommelspiels nicht gerecht wurde. Gedankenspiele  mit Begriffen wie "Freundschaft" "Mitbegründer" und "Namensgeber" wurden einfach rigoros ausgeklammert.

Jürgen Maria K. ging seiner Fleischeslust nach, veranstaltete bizarre Rituale mit Schweineblut und verschwendete Grundnahrungsmittel ohne Not.

 

 Blutrausch

Blutrausch

 Spalt hat andere Dinge im Kopf - Schweinefuß, Wiesbaden 2003

Spalt hat andere Dinge im Kopf - Schweinefuß, Wiesbaden 2003

 

Zwischenzeitlich wurde gar der Bandname geändert: A.F.Q. ,der internationale Durchbruch sollte damit zementiert werden. Der Erfolg blieb jedoch aus.

http://urlm.de/www.a-f-q.de

https://myspace.com/arschfaltenquintett

Manager wurden engagiert und gefeuert, Geld verbrannt, Seelen ausgehöhlt. An das Produzieren von Tonträgern wurde jedoch kein Gedanke verschwendet. Somit blieb das Arschfaltenquintett weiterhin ein Geheimtipp.

Jürgen Maria Kaiser machte gute Miene zum bösen Spiel, besann sich auf seine musikalischen Vorbilder:

Adam & the Ants (Kostüm), Grace Jones (Grazie) und Andreas Dorau (Textsicherheit).

Er verband das reine Konzerterlebnis mit der Mischung aus Kunstperformance und Ohnsorg-Theater - es wurden erfolgreiche Tourneen in deutschen Ländereien: 

Nicht nur das Schinkenhemd erfand er, welches gnadenlos von Lady Gaga in ihrem Fleischkostüm kopiert wurde; er machte auch die Windel auf der Bühne salonfähig, was sich heute zB bei HGIchT widerspiegelt.

Die Tourneen waren durch einen visuellen Leitfaden in Kostüm und Bühnenbild geprägt. Da fiel es auch nicht weiter auf, das musikalisch ausschließlich auf Altbackenes zurück gegriffen wurde.

 

  2003: "Die Boxer-Nummer" Haus Mainusch Mainz  

 2003: "Die Boxer-Nummer" Haus Mainusch Mainz  

 2003: "Asia-Wochen"  Haus Mainusch Mainz

2003: "Asia-Wochen"  Haus Mainusch Mainz

 2004: Die Metzgerei-Fachverkäufer, Hafeneck/Mainz

2004: Die Metzgerei-Fachverkäufer, Hafeneck/Mainz

 2005: Jürgen Christ Superstar, Schlachthof/Wiesbaden

2005: Jürgen Christ Superstar, Schlachthof/Wiesbaden

 2006: Kosmetik, Das Rind/Rüsselsheim

2006: Kosmetik, Das Rind/Rüsselsheim

Seit der Kosmetik-Tour 2006 trauten sich nun auch andere Musikkapellen, im Vorprogramm dieser unberechenbaren Paradiesvögel aufzutreten, unter anderem:  The World Inferno Friendship Society, Cockbirds, Von Spar und später, gar des öfteren, Urlaub in Polen.

Jürgen Maria Kaiser war ein Hauch stolz, dass professionelle Musiker seine Nähe suchten, nicht etwa wegen der Effekthascherei und den billigen Show-Provokationen. Nein, sie mochten auch die Menschen und den Sound dieser Band...Gänsehaut machte sich auf seinen Armrücken breit - ein nie gekanntes Gefühl der Anerkennung.

Die blutdurchtränkten  und tabulosen Darbietungen vom Arschfaltenquintett wurden aber immer wieder beglitten durch Proteste von Bibelgreisen, Fleischkost-Verächtern und anderen unzufriedenen Menschen - gepaart mit Haftbarhaltungen diverser Konzertveranstalter, die den Ruf des JetSet-Orchesters nicht kannten.

Dabei hatte die Band, bereits vor den Auftritten, mit sich genug zu tun: Das Lampenfieber ließ sich lange Zeit nur mit Alkoholexzessen im Backstage-Bereich bekämpfen, die Schminke wurde zu dick aufgetragen und der Kampf um das kulinarische Buffet artete in verbale, aber auch gewalttätige Übergriffe aus. Das Faustrecht regierte.

Beleidigungen, Hausverbote, Schmutz, Gewalt, Feindschaft, Schulden, Misstrauen, Dreck, Ohnmacht, Erbrechen.

Ein letztes Aufbäumen gelang bei ihrer Symphonie des Grauens, der Nosferatu-Tour 2007. Musikalische Differenzen ausgeräumt, das Schauspiel mit handgeschriebenem Drehbuch arrangiert, neue Schauspielerin an Bord, die Nerven im Griff. 

Herr Kaiser löste seinen Bausparvertrag auf, um eine Film-Produktionsfirma (Kontrastfilm) damit zu beauftragen, das Geschehen vor, hinter, auf und unter der Bühne ins rechte Licht zu rücken - und dies in bewegten Bildern.

Der Auftritt im Kulturpalast, Wiesbaden 2007, zählt noch heute zu den besten Auftritten vom Arschfaltenquintett.

 

 Nosferatu I in Aktion mit Areeeq, die Frau aus dem Oman

Nosferatu I in Aktion mit Areeeq, die Frau aus dem Oman

 Nosferatu II Kulturpalast Wiesbaden 2007

Nosferatu II Kulturpalast Wiesbaden 2007

Das Original-Videoband der Filmaufnahmen ging in den Festivitäten danach verloren und ist bis heute verschollen. Gegenseitige Schuldzuweisungen und steigendes Misstrauen waren die Folge. Der Traum eines Konzertmitschnitts war geplatzt, das Konto leergeräumt.

Überfordert, gelähmt, gelangweilt und genervt ließen sich Pete Steis, Käft und Jürgen Maria Kaiser nach Rat eines Paar-Therapeuten auf ein Experiment ein: Gemeinsames Leben in einer Wohngemeinschaft.

Der Wunsch: Zelebrieren der gewonnenen Freundschaft, gemeinsamer Musikgenuss.

Die Realität: Überforderung, Lähmung, Langeweile und blankes Dasein der Nerven.

Diese kontraproduktive Mischung war jedoch die Eruption des Spätwerkes vom Arschfaltenquintett. Alte Meisterwerke wurden in neuem theatralischen Gewand aufgeführt und die Falten-Familie wuchs stetig.

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Im Dezember 2014, das letzte Konzert vom Arschfaltenquintett. Ein Comeback nach dem endgültigen Comeback scheint ausgeschlossen.

Käft, der sich nur noch mit wenig bis keinen Textilien am Körper auf der Bühne wohlfühlte, verließ die betreute Wohngemeinschaft zwei Tage darauf und verschwand für immer. Sein Kleiderschrank ist bis heute nicht ausgeräumt. Ihm muss sehr kalt sein.

 Klassenfoto vom letzen Arschfaltenquintett-Konzert im Baron, Mainz 2014

Klassenfoto vom letzen Arschfaltenquintett-Konzert im Baron, Mainz 2014

 

Das StrEichelorchester – eine schwere Geburt

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Wenige Tonträger, vergilbte Bilder, verschollene Videobänder - die Erinnerung verblassten. Das einzige Merchandising-Accessoire in der vierzehnjährigen Bandgeschichte, ein AFQ-Schweißband, liegt, mit Körpersäften dieser Dekade getränkt, auf dem Nachttisch von Jürgen Maria Kaiser. In dunklen Momenten hört man ihn noch heute im Schlafzimmer laut seufzen.

Jürgen Maria Kaiser lenkte sich mit der Ausbeutung seiner selbst ab, hielt sich mit Samenspenden und dem Verkauf von AVON-Kosmetikprodukten über Wasser.

Zum Broterwerb genügte es zwar, aber der Ruhm vergangener Tage nagte weiter an seinem Körper: Kaum noch Haupthaar auf der Kopfhaut, dafür ein wildes Gedeihen des Nasen- und Ohrengestrüpps, gepaart mit dem ungeheuer schnellen Wachstum der Fußnägel, konvergiert mit einer drastisch zunehmenden Körperfülle.

"Dies sind die tragischen Folgen eines Leben als Taugenichts." hörte man ihn in Selbstgesprächen immer wieder schwadronieren, auf den Straßen der hessischen Kurstadt.

Seine Tanzlokal-Ausflüge als "DJ Lady Latrina - serviert Kaviar für die Ohren" an Busbahnhöfen machten ihn nicht glücklich. Hier im Bild mit Platten-Kollegin Madame Darm.

Nur sein treuer Begleiter und Mitbewohner der Kommune, Pete Steis, glaubte an die kreativen Fähigkeiten des Herrn K. Dank ihm kam die Sehnsucht nach Aufmerksamkeit und großen Bühnen von Jürgen Maria Kaiser wieder hervor - Die Lust, neue musikalische Pfade zu betreten, wurde geweckt und neu entdeckt.

Unter dem Pseudonym "K K K" (Kappler-Kaiser-Konglomerat) spielten sie mit Hilfe von zwei teuer erkauften Studiomusikern AFQ-Hits nach. Sie ließen keine Gelegenheit aus, ob Geburtsfeier oder Wohnzimmer-Konzert, um wieder Bühnenluft schnuppern zu dürfen.

Die Sicherheit und ein überhöhtes Selbstwertgefühl kehrten zurück und ließen hoffen auf höhere Weihen.
Nach einem österlichen Konzertbesuch  von James Last 2015 verwirklichte er seine Schnapsidee: Eine Bigband musste her - viele Menschen auf einer riesengroßen Bühne und vorne steht natürlich der Arrangeur, Bandleader, Komponist und Musikproduzent JMK.

Das STReICHELORCHESTER sollte seine ersten zarten Gehversuche im Frühjahr 2016 starten.
  Das Ensemble besteht aus Weggefährtinnen und Freunde der Falten - Familie und dem harten Kern des Faltenrock-Quintetts: Schlagzeug, Gitarre und Gesang.

 Die AFQ-Schauspielerinnen Michelle und Katronica leihen nun dem Damenchor ihre Stimmen und sind, auch wegen ihrer gewagten Bühnen-Outfits, die eigentlichen ersten Geigen im Orchestergraben.

 Katronica

Katronica

 Michelle

Michelle

Der ehemalige "Best Boy" vom Arschfaltenquintett, Reinbert "Emmanuelle" Schmettermann, welcher sich für keine Aufgabe zu schade war, brachte sich nun das Zupfen des Basses bei. Das HiFi-Sound-Konzept wird durch elektronische Klangteppiche geklöppelt und erzeugt, zunächst von Keyboard - Kevin, danach schlug kurz Synthesizer-Susi die Tasten an, später durch Orgel-Olli ersetzt.

 Emmanuelle

Emmanuelle

 Orgel Olli

Orgel Olli

Frühe, leise Zweifel an mangelnder Kreativität und der musikalischen Weiterentwicklung (JMK kann nachweislich keine Noten lesen) wurden trotz einer motivierten, zusammengeschweißten Bande bittere Realität:  Einzig Coverversionen von Falten-Sonaten und anderen Künstlern wurden einstudiert und man kann diese geschmeidigen Interpretationen auch heutzutage, gerade erst im Februar 2017 geschehen, live bewundern.
Das Konzept stimmt: Schöne Menschen spielen und trällern tolle Lieder, top motiviert mit viel Leidenschaft und sehen gut aus in ihren Kleidern. 

Was jedoch noch fehlt, ist ein Draht- bzw. Korkenzieher, ein Mastermind. Der Marionettenspieler, welcher den Rest der Kapelle mit Inbrunst und überschäumender Lust in einen Sog neuer musikalischer Horizonte führt. Die Show geht weiter...

In denkenden Momenten erinnerte sich Herr Kaiser gern an die euphorischen Worte von Käft, wenn er den schlecht beleuchteten, nicht durchlüfteten Arschfaltenquintett-Proberaum mit freiem Oberkörper betrat, sein rechter Zeigefinger in die Höhe schnellte und folgende Worte rief:
"Ich habe eine V i s i o n ! Du spielst das, Du das, Du das. Und Jürgen Maria: Du machst einen Text über Geld, Liebe oder Macht!"


Es wurde zumeist ein Text über die Liebe.

 
 
 

Das Wunder der Geburt: Jürgen Maria Kaiser - Der finale Akt?

Ein kühler Frühlingstag im Jahr 2016. Herr Kaiser durchstöberte in einem lieb gewonnenen Ritual seine Spam-Mails am heimischen Rechner, als er nach dem Studieren einer Kauf-Empfehlung für Treppenlifte und über den Erwerb dieser funktionalen Alltagshilfe sinnierte (Er wohnt in der Kurstadt Wiesbaden im dritten Stock, Altbau). Da überraschte ihn eine neue Benachrichtigung:

Henry Dawn mag Das Arschfaltenquintett.

Er war die 83. Person in seinem Social-Media-Unterfangen, die seine frühere Band mochte. Er schrieb diesen unbekannten Menschen an und so entwickelte sich eine informative und interessante Unterhaltung über Stunden und Wochen. Man könnte diese Form der Konversation gar von Beginn an als aphrodisierende "Brieffreundschaft" bezeichnen.

Henry Dawn, wohnhaft links neben Paris in französischen Gefilden, arbeitet dort als Musikant,Produzent und Weinverkoster. 

Henning Demmer Autogrammkarte.jpg

Es ergab sich ein reger Austausch musikalischer Vorlieben und Ergüsse. Die gemeinsame Zuneigung, der Sound der Achtziger, war die Basis einer folgenden zwischenmenschlichen Zusammenarbeit. 

Monsieur Henry entwarf Töne und Beats in Frankreich, schickte diese über das wunderliche Internet ins Reich der hessischen Landeshauptstadt, wo Jürgen Maria Kaiser (JMK) liebliche Texte darüber flötete.

Es ging soweit, das JMK zuerst ein Gedicht schrob, welches er sicherheitshalber auch auf dem postalischen Wege ins ferne Frankreich sendete (er war schon immer skeptisch ob technischer Neuerungen), wo der Survivant Dawn diese mit seinen erfundenen Orgel-Rhythmen unterlegte.               Keine Stromgitarren - keine Trommel, die stört. Seltsam, aber so steht es geschrieben.

Jürgen Maria empfand eine solche Nähe, Zuneigung, und Resonanz-Wärme zu diesem Manne, welche er nur einmal in seinem Dasein verspürte. Er konnte sich aber nur schemenhaft an diese Person erinnern. Eine gewisse visuelle Ähnlichkeit dieses alten Mannes mit einem seiner besten Freunde in seinem früheren Leben ließ sich nicht abweisen. Hülsen von Namenspaaren aus der Vergangenheit belagerten sein Hirn (Lennon/McCartney, Jagger/Richards, die Amigos, Kaiser/Demmer). Bild-Fragmente aus glücklichen Tagen flackerten vor seinem inneren Auge auf.

 
 AFQ 2003 Käft+Schaft

AFQ 2003 Käft+Schaft

 

Dann ging alles ganz schnell: Die beiden Turteltauben waren der schriftlichen Kommunikation                 überdrüssig, alle Sympathiebekundungen ausgetauscht, ein Treffen wurde arrangiert.            Mai 2016: Das erste Treffen von Henry Dawn und Jürgen Maria Kaiser, live und in Farbe, in den Räumlichkeiten von CROSSnDAWN-Records in Mainz. Herr Kaiser kam wie immer zu früh.

Sie schlossen sich förmlich neuneinhalb Wochen in diesem Studio ("Sie nannten es immer liebevoll Proberaum") ein - und gebaren "Burning Desire"  - Ein Album, was einem epochalen Lebenswerk gleichkam, zumindest in den Augen von JMK

 Dieser Stolz auf das neue Liedgut und die Hoffnung auf Anerkennung in der Bevölkerung, ließen Jürgen Maria Kaiser dazu verleiten, zur ersten Single "Jürgen Maria K." überhastet ein Musikvideo drehen...in Eigenregie (Kamera: Pete Steis).

Die Bande der Faltenfamilie hält bis heute zusammen:

Jürgen Maria Kaiser rief - und seine geliebten Menschen waren bei den Aufnahmen zur Stelle: Katronica, Reinbert "Emmanuelle" Schmettermann, Henry Dawn mit einer Live-Schalte aus Frankreich und sogar Spalt, erster Trommler und Namensgeber vom "Arschfaltenquintett" (Jahrzehnte lang gegrämt ob seines Rauswurfs) gaben sich der Kameralinse preis. Für die Tanzelemente sorgte Gunda Shorty Kurz, eine treue Gefährtin im Leben von JMK.

 Gundahoop!

Gundahoop!

Werbeunterbrechung: Wollen Sie die Geheimnisse der Hoop-Kunst erlernen und am eigenen Körper erfahren? Dann nehmen Sie teil bei einem Hoop-Kurs in Mainz, geleitet von Gunda Shorty Kurz. Jürgen Maria Kaiser wird ebenfalls mitmachen. Kein Witz. Dafür steht er mit seinem Namen.

Details und Anmeldungen unter: http://www.justhoop.de

 

Am 03.08.2016 wurden Single und Video "Jürgen Maria K." in Wiesbaden der Weltöffentlichkeit vorgestellt, im Rahmen der Wiegen-Festivitäten des Herrn Kaiser. So kam es auch zu Kollaborationen mit DJ Mitch (Berlin) und Matt K. (Mainz), die Remixe für die Single anfertigten.

Matt K. war es auch, der JMK einlud, den "Tanzbein-RMX" live zu präsentieren, während des Herzblick-Festivals Ende August in Mainz. Es war absolutes Neuland für Jürgen Maria: Ein Auftritt, morgens um 3 Uhr, während eines DJ-Sets, im Halb-Playback.

Noch Stunden später wurde der Auftritt und die weiteren Karriere-Schritte mit Zukunftsforscher Holger "Captain Future" G. analysiert und geplant.

 Wohin geht die Reise? JMK im Disput mit Zukunftsforscher Holger "Captain Future" G. auf dem Herzblick-Festival 2016, Mainz.

Wohin geht die Reise? JMK im Disput mit Zukunftsforscher Holger "Captain Future" G. auf dem Herzblick-Festival 2016, Mainz.

Alsbald fertigte er mit seiner Muse und Künstlerin Dunja M. Pressefotos an, um diese zusammen mit dem Video samt "Burning Desire"-Liedern weltweit per teurer Luftpost an die führenden Plattenlabels, Magazine und Musik-TV-Kanäle in diesem Universum zu versenden.

CBS, Telefunken, Viva, Popcorn, Europa, Tempo, Viva2, PopRocky, Teltec - keine einzige Resonanz fand sich in seinem Briefkasten wieder.

Dabei lag das Glück so nah. Der Geschäftsführer von CROSSnDAWN-Records, Dan Crosser, sorgte bei den Aufnahmen von "Burning Desire" nicht nur für die Bereitstellung von Räumen, Aufnahmegeräten, Flüssigkeiten und Lebensmittel der beiden Künstler. Er erkannte als Labelchef der Plattenfirma auch das Potential dieser fruchtbaren Zusammenarbeit. Er bot Jürgen Maria Kaiser nicht nur seine Blutsbrüderschaft an, sondern auch einen Knebel-Vertag für eine lebenslange Zusammenarbeit.

Zufälligerweise stellte sich kurz danach heraus, dass Henry Dawn als künstlerischer Leiter und Mitbegründer des Labels auch dort bereits seit längerer Zeit sein Magenbrot erntete. Was für ein Schlitzohr! Oder war es nur ein Zufall?

 

 Dan Crosser

Dan Crosser

 Logo CROSSnDAWN Records

Logo CROSSnDAWN Records

So unterschrieb Jürgen Maria Kaiser am 7.Februar 2017 im Rahmen eines Festaktes seinen ersten eigenen Künstlervertrag. Der Sekt wurde handtellerwarm serviert. 

 Das beste Pferd im Stall und Labelchef Dan Crosser im feudalen Landeshauptstad-Büro CROSSnDAWN Records über den Dächern von Mainz

Das beste Pferd im Stall und Labelchef Dan Crosser im feudalen Landeshauptstad-Büro CROSSnDAWN Records über den Dächern von Mainz

Lange Rede, gar kein Sinn: 

Die ersten Proben für die Tournee-Premiere als Solo-Künstler sind bereits Vergangenheit, der Künstler ist hoch motiviert (die Songtexte liegen unter seinem Kopfkissen) und betreibt Sportgymnastik, um für die kräftezehrende Bühnenshow gewappnet zu sein. Das Album ist (bald) draußen, das Video zur neuen Single "Computerspiele" wird gerade von Hollywoods Meister-Regisseurin Katja Federkiel post produziert. Wahrscheinlich läuft es bereits auf allen Kanälen, während der Autor gerade diese letzten Silben einspricht.

 Kommen Ihnen die Lippen dieser Frau nicht bekannt vor?

Kommen Ihnen die Lippen dieser Frau nicht bekannt vor?

 Große Augen - Beim Videodreh zur neuen Single "Computerspiele"

Große Augen - Beim Videodreh zur neuen Single "Computerspiele"